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Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018 - 131 km auf König Ludwig II. Spuren - Film und Bildbericht von Thomas Schmidtkonz

Weitere Laufberichte - Über den Autor

Film - Bildbericht

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Blick auf Schloss Neuschwanstein beim  Königsmarsch 2018

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018 - 131 km auf König Ludwig II. Spuren - Film und Bildbericht von Thomas Schmidtkonz

Bei dieser Tour lief ich 131 km auf den Spuren König Ludwigs von Starnberg über Starnberger See, Osterseen, Staffelsee, Bad Kohlgrub, Tegelberg und Schloss Neuschwanstein nach Füssen. Ich erlebte dabei viel und nachts biwakierte ich im Wald.

Aber nun zum Film, der meine Erlebnisse bei diesem Lauf zeigt:

Film

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Bericht und Bilder

Freitag 22:00 am Nordufer des Starnberger Sees: 300 Wanderer und Läufer fiebern dem Startschuss des etwa 50 km langen Königmarsches rund um den Starnberger Sees entgegen.

Alle wollen den See umrunden? Nein, einer der Wanderer tanzt aus der Reihe und will vom Südufer des Sees in Richtung Schloss Neuschwanstein laufen!

Dieser Eine ist meine Wenigkeit. Ich möchte nicht nur am Starnberger See auf König Ludwig II. Spuren wandeln, sondern auch sein berühmtestes Schloss das Märchenschloss inmitten der Ammergauer Alpen ansteuern.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Mein Rucksack mit König Ludwig II - Pin

Der König

Das gut 120 km entfernt liegende Schloss möchte ich passend am Montag den 11.6.2018, also genau am 132. Jahrestag seiner Verhaftung erreichen.

Dahinter steckt folgende Geschichte:

Morgen vor 132 Jahren, am 9. Juni 1886 wurde Ludwig durch die Regierung unter Johann von Lutz entmündigt. In der Nacht auf den 10. Juni erschien eine Kommission in Neuschwanstein, um Ludwig abzusetzen. Der erboste König ließ die Kommission festsetzen, aber entgegen seiner Erlaubnis wurde sie wieder freigelassen. Einen Tag später erschien gegen Mitternacht eine weitere Kommission unter dem Irrenarzt Bernhard von Gudden. Er teilte Ludwig seine Absetzung mit, ließ ihn festnehmen und nach Schloss Berg am Starnberger See transportieren.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Bild vom Kini

Der Kriminalfall

Am Folgetag, am Sonntag den 13.6.1886, unternahmen Ludwig und sein ungeliebter Arzt von Gudden vor dem gegen 20:00 geplanten Abendessen einen Abendspaziergang im Schlosspark in Richtung Starnberger See. Dabei setzte Regen ein. Daher wurden die beiden zuerst nicht vermisst, weil man dachte, die beiden hätten irgendwo Unterschlupf vor dem Regen gesucht. Schließlich schauten die Verantwortlichen doch nach dem Rechten.
Gegen 22 Uhr fand dabei ein Hofoffiziant Überrock und Leibrock des Königs im Wasser, eine halbe Stunde später entdeckten die Suchenden die Leichen des Königs und des Arztes etwa 25 Schritte vom Ufer entfernt im seichten Wasser. Die später aufgefundene Taschenuhr des Königs war um 18.54 Uhr stehen geblieben, weil Wasser eingedrungen war, die Taschenuhr von Guddens aus gleicher Ursache dagegen erst um 20.10 Uhr.
Um den mysteriösen Tod Ludwigs II. ranken sich seitdem bis heute zahlreiche Gerüchte, die auch einen möglichen Fluchtversuch bzw. die Erschießung des Königs in Erwägung ziehen. Ob es Mord, ein Unfall oder Selbstmord war, ist bis heute nicht geklärt!

Der Marsch

Das ist die traurige Geschichte um die sich dieser Marsch dreht. Daher möchten wir dem Märchenkönig mit diesem Erinnerungsmarsch unsere Referenz erweisen. Michael Raab, der ansonsten verrückte mehrtägigen Ultratrails wie im wilden Kaukasus oder in den abenteuerlichen Bergen Korsikas veranstaltet, ist der Organisator dieses geschichtsträchtigen Marsches. Auch ihn verbindet viel mit dem "Kini". So organisierte sein Vater viel Organisatorisches beim Drumherum bei Luchino Viscontis berühmten Filmklassiker Ludwig II., da Viscontis Leute kaum Kontakte zu den Einheimischen an den originaltreuen Drehorten hatten. Dieses Organisationstalent hat sich offensichtlich auch auf seinen Sohn Michael vererbt.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Am Nordufer des Starnberger Sees findet der Start statt

Start mit Feuerwerk

Michael Raab gab uns auch noch mit seinem Megaphon die letzten Infos zum Marsch durch. Die Akustik des etwas vorsintflutlichen Gerätes lässt etwas zu wünschen übrig, aber soviel bekomme ich in etwa mit: Während sich vor wenigen Stunden noch anderswo Gewitter austobten, soll es heute Nacht trocken bleiben. Es ist also "Kini-Wetter" angesagt. Unterwegs erwarten uns drei Verpflegungspunkte. Zuerst nach Mitternacht nach etwa 18 km in einem Hotel am Westufer des Sees ein stimmiges Candlelight Dinner, später am Ostufer ein Frühstück und dann im Ziel eine Weißwurstessen mit Weißbier. So gut sie sich auch für mich anhören,  auf die letzten beiden Labestationen muss ich leider verzichten, weil die schon jenseits des Südufers liegen, von dem ich ja in Richtung Neuschwanstein und Füssen abbiegen will.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Michael Raab gibt kurz vor 22:00 die letzte Infos zum Marsch bekannt

Nicht zum Geschoss einer Startpistole, sondern mit dem Böller eines Feuerwerks findet der Startschuss statt. Zwar nicht mit der Lieblingsmusik Ludwigs also Richard Wagner, sondern mit Händels Feuerwerksmusik bewundern wir ein wunderschönes Feuerwerk am Seeufer. Dieses Schauspiel hält uns erst einmal auf, bevor wir die ersten Schritte des Konigsmarsches unter die Hufe nehmen. Wie schön, dass ich heute gegen keine knappe Zielschlusszeit anlaufen muss, sondern stattdessen gemütlich durch die laue Sommernacht am Seeufer entlang wandern kann.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Beim Startschuss erleben wir noch ein Feuerwerk

Die Nachtwanderung

Im Prinzip folgen wir dem Uferweg des Starnberger Sees. Anfangs führt er leider etwas an einer Straße entlang. In den zahlreichen Gaststätten am Seeufer feiern heute die Starnberger, Münchner und andere Personen aus dem Umland den Beginn des Wochenendes. Es herrscht also reger Verkehr.

Nach etwa 2 km Laufstrecke. tauchen wir auf einem schönen Trail in den nächtlichen Wald am westlichen Ufer zwischen Starnberg und Possenhofen ab. Im weiteren Verlauf der Strecke bin ich angenehm überrascht, dass wir nicht nur asphaltierte Wege, sondern zwischendurch sogar auf schönen Singletrails wandern. Dabei lerne ich Manfred kennen. Manfred lief schon viele Ultratrails und auch bei Michaels Läufen auf Korsika mit. Er half heute schon Michael beim Markieren der Strecke mit und hofft, dass die Markierungen ausreichen.
Das sollten sie auch, da die meisten von uns sich den GPS-Track der Strecke auf ihr Smartphone oder ihr Navigationsgerät geladen haben. So auch ich. Später bin ich dann schon froh, dass ich das getan habe, denn obwohl Schlüsselstellen markiert sind und wir in der Regel dem Uferweg folgen, bleiben in der Nacht doch manchmal Zweifel offen, geht es nun links, rechts oder geradeaus weiter. Nachts ist halt die Orientierung nicht so einfach. So muss ich unterwegs auch einmal den Einen oder Anderen zurückpfeifen, weil er oder sie eine Abzweigung verpasst haben. Aber meist erweisen sich auch die falschen Wege als Alternativwege, die irgendwann wieder auf das Seeufer und somit die geplante Strecke stoßen. So leicht geht hier doch keiner verloren!

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Büste eines Löwen während des Marsches durch die Dunkelheit am westlichen Ufer des Starnberger Sees

Unterwegs treffen wir auch auf Michael. Er schaut nach dem Rechten und bringt noch ein paar weitere Markierungen für alle Fälle an.

Es ist schon gegen 2 Uhr morgens, als ich das Candlelight Dinner am Marina Seerestaurant erreiche, wo schon ein buntes Treiben herrscht. Diesmal bin ich zwar nicht der Letzte wie so oft bei Laufveranstaltungen, aber auch nicht der Erste.

Dort können wir zu einem freien Getränk zwischen Kalbsbratwürsten mit Beilage und einer vegetarischen Suppe wählen. Ich entscheide mich für die Würste und damit ich wach bleibe eine Cola.

Frisch gestärkt breche ich wieder auf. Mittlerweile ist es recht einsam geworden und ich sehe nur noch wenig andere Mitmarschierer.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Nach dem Kindle Light Dinner geht es morgens um 3 Uhr durch den Bernrieder Park, ...

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

... in dem ich diese schönen Übernachtungsplatz entdecke, während der Rest der Wanderer weiter um den See wandert

Erstes Biwak

Mittlerweile gegen 3:30 verspüre ich eine gewisse Müdigkeit. Da ich noch etwas mehr als die anderen Königsmarschierer vorhabe, suche ich mir einen Übernachtungsplatz. Der Bernrieder Forst bietet sich dazu an. Ich biege vom Seeufer ab und folge einem Fahrweg. Dort kreuze ich ein Bächlein. Ich verlasse den Fahrweg und folge durch dem Wald dem Bachufer, An einer weichen und ebenen Stelle rolle ich meine Isomatte aus und lege mein Schlafsack darüber. Da es heute Nacht trocken bleiben soll und die Nacht ohnehin bald vorüber ist, spare ich es mir mein Tarp aufzuspannen. Bald schlafe ich ein.

Marsch zum Staffelsee

Gute zwei Stunden später weckt mich das Morgenkonzert der Vögel. Zwei Stunden Schlaf waren nicht viel, aber dennoch erholsam. Meine Müdigkeit ist verflogen. Mittlerweile ist es hell. Ich packe meine Sachen ein und laufe los. Sah gestern in der Nacht alles Grau in Grau aus, jubiliert nun die Natur mit voller Farbenpracht. So auch die wunderschönen Orchideen am Seeufer:

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Orchidee am Ufer des Starnberger Sees

Gefiel mir schon gestern in der Nacht das Seeufer gut, so sieht es heute in der klaren Morgenluft noch einmal um Klassen besser aus. Nachtläufe und Nachtmärsche haben zwar ihre Reize, aber insgesamt gefällt mir es tagsüber schon besser, weil es viel mehr zu entdecken gibt.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Blick auf den Starnberger See. Etwas südlich davon biege ich vom Südufer ab

Während die anderen Wanderer sich wohl schon Schloss Berg am Ostufer nähern und ihr Frühstück auch schon hinter sich haben. biege ich in Seeshaupt am Südufer des Starnberger Sees in Richtung Staffelsee ab und laufe dabei an den wunderschönen kleineren Seen wie Gartensee, Grobensee, Lustsee und den Osterseen vorbei, wo sich die Ufervegetation im kristallklaren Wasser spiegelt und sich im Hintergrund die hohen Berge der Alpen wie ein Festungswall erheben. Also nicht nur die Alpen, sondern auch das Voralpenland besitzt seine landschaftliche Reize. Im Voralpenland fasziniert zudem der Blick in die Ferne, der zumindest in engen Alpentälern eher eingeschränkt ist.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Die idyllischen Osterseen mit den Bergen im Hintergrund

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Blütenmeer

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Blick in Richtung Alpen

Wälder, offene Landschaften mit Viehweiden, kleine Seen und Hügel prägen die Landschaft immer mit dem Nordkamm der Alpen am Horizont. Ab Mittag ziehen bei drückender Luft bereits Gewitterwolken auf. Aber wenn ich überlege, wo ich mich ggf. unterstellen kann, verziehen sich die Wolken wieder. Glück ist mir also erst einmal hold.

Mittagessen in Spatzenhausen

In Spatzenhausen entdecke ich eine offene Gaststätte und kehre dort ein. Das Holzfällersteak mit Bartkartoffeln ist reichlich und schmeckt, erweist sich als die ideale Fernwandererkost. Am Nachbartisch sitzt eine ältere Dame. Ich komme mit ihr ins Gespräch. Sie wohnt in München, verbringt aber ihr Wochenende in der Regel in einem Wochenendhaus in Murnau. Als pensionierte Lehrerin könnte sie eigentlich ganz nach Murnau ziehen, aber sie liebt den Gegensatz zwischen Großstadt und Landleben. Die Abwechslung macht es also aus. Sie bietet mir an, mich mit dem Auto bis nach Murnau zu fahren, weil das ja in etwa auf meiner Strecke liegt. Ich winke ab, weil das ja nicht Sinn und Zweck der Tour ist. Dennoch bedanke ich mich.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Ein Kälbchen guckt mich neugierig an

Kurz danach brechen wir beide auf. Sie im klimatisierten Auto und ich auf einer Landstraße in Richtung Staffelsee voll der Hitze der Sonne ausgesetzt. Bei Schloss Rieden stoße ich endlich auf den Rundweg um den Staffelsee, kann mich also vom verhassten Asphalt verabschieden. Dabei suche ich ein schattiges Plätzchen für einen verspäteten Mittagsschlaf. Finde aber nichts. Ich lege mich stattdessen im Halbschatten auf eine Bank. Leider wandert der Restschatten bald von mir weg. So breche ich wieder auf und erreiche bei Murnau das schöne Südufer des Staffelsees.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Schloss Rieden am Staffelsee

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Am östlichen Staffelseeufer

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Bootshäuser am Staffelsee

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Am Südufer des Staffelsees ziehen Gewitterwolken auf. Nachts überrascht mich an meinem Biwakplatz ein heftiges Gewitter.

Gewitternacht oberhalb des Staffelsees

Das Schöne am Südufer ist, dass es nicht bebaut und auch nicht eingezäunt ist. Der dort entlang führende Fahrweg ist zudem auch für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zwischen Ufer, Weg und Steilhang dahinter befindet sich nur ein sehr schmaler ebener Uferbereich. Da es schon bald dunkel wird, frage ich mich, wo ich da einen passenden Biwakplatz finden kann. Derweil ziehen bei schwülwarmen Wetter immer mehr dunkle Gewitterwolken über den See auf. Das sieht nach einer gewittrigen Nacht aus!

Einen passenden Platz zum Übernachten werde ich wohl nur auf dem Hügelkamm oberhalb des Ufers finden. Dort oben werde ich aber auch verstärkt den Blitzen ausgesetzt sein.
Während die Dämmerung anbricht, immer mehr Wolken aufziehen und es in der Ferne bereit grummelt, biege ich auf einem steilen Fahrweg vom Seeufer ab und erklimme die Höhen oberhalb des Sees. Oben bin ich längere Zeit auf der Suche nach einem passenden Biwakplatz. Hinter dem Grat finde ich in einer Senke einen ebenen Fichtenwald mit weichem Untergrund und wenig Unterholz und zudem fernab aller Wege. Das ist der ideale Platz zum Übernachten! Auch sollte sich hier bei starkem Regenguss kein Wasser ansammeln. Zwischen den Nadeln sickert es schnell ab.  Bäche jenseits von den Hängen sollten hier bei starkem Regenguss auch nicht herabfließen. Einen besseren Platz finde ich nicht mehr. Ich stelle mein Schrägdach nach Nordwesten hin auf, weil von da aus die Gewitterfront anrücken sollte.

Kaum habe ich die Plane aufgestellt, rücken Donner und Blitze näher und es beginnt zu regnen. Der Regen wird immer heftiger und so auch Blitz und Donner, während ich unter meiner Plane liegend mit Bangen dem Geschehen folge.

Dabei regnet es sich immer mehr ein. Leider verlagert sich das Zentrum des Gewitters nach Süden in die Berge direkt hinter mir. Daher kommt nun der Regen allmählich von Südosten, so dass es in meine offene Seite hineinregnet. Ich springe raus und versuche die Plane umzuspannen. Das will mir nicht so recht gelingen, während in den Bergen hinter mir offensichtlich die Hölle los ist. So viele Blitze und Donner parallel und kurz hintereinander habe ich bislang selten gehört. Was bin ich froh, dass ich diese Nacht auf keinem Höhenkamm in den Bergen hinter mir verbringen muss.

Endlich verzieht sich das Unwetter. Mein Schlafsack blieb halbwegs trocken, nur meine Isomatte wurde etwas nass. Ich wische sie trocken und kann endlich nach einer kurzen Nacht und einem anstrengenden Tag einschlafen, bei dem ich in den letzten 24 Stunden immerhin etwa 61 km zurücklegte .

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Nach dem Gewitter am frühen Morgen

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Sonnenstrahlen der Morgensonne

Morgenbad

Die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen und das Gezwitscher der Vögel wecken mich. Ich steige zum See ab und entdecke einen passenden Platz für ein Bad im See. Das Wasser ist mild und fühlt sich so richtig warm an. Nach der Schwimmeinlage im See und ohne der Schweißschicht der letzten Nacht und des letzten Tags fühle ich mich wie neu geboren.

Da kommt ein Traktor mit einem Bauer angefahren.  Er steigt aus und sucht seine Axt, die er hier liegen gelassen hat. Erleichtert entdeckt er sie wieder. So kommen wir miteinander ins Gespräch. Er ist bereits 84 Jahre alt, aber arbeitet immer noch in seinem Wald und fällt auch noch selbst Bäume, wenn z.B. der Borkenkäfer zugeschlagen hat. Mit der Klimaveränderung vermehrt der sich leider immer mehr und auch von Asien dringen neue Baumschädlinge ein.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Am Südufer des Staffelsees nehme ich ein Bad. Das Wasser ist sehr mild und angenehm.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Voralpenland auf dem Weg nach Bad Kohlgrub

Mein nächstes größeres Etappenziel ist derweil Bad Kohlgrub. Im Ortszentrum entdecke ich eine Pizzeria und bestelle mir eine Pizza Frutti di Mare, die sehr lecker schmeckt.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Leckere Pizza in Bad Kohlgrub

Auf der Königsstraße

Nachmittags laufe ich bei ziemlicher Hitze über das Forsthaus Unternogg auf der Königsstraße in Richtung Trauchgau. König Ludwig II nutzte die Königsstraße als Weg für seine Kutsche, wenn er zwischen Schloss Neuschwanstein und Linderhof hin und her pendelte. Dabei kehrte er öfters im Forsthaus Unternogg ein. Das mache ich auch, weil meine Getränke langsam zur Neige gehen.

 

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Eine weitere Orchidee

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Herrliche Voralpenlandschaft am Königsweg in Richtung Trauchgau

Übernachtung beim Trauchgauer Mandl

Ich folge durch meist bewaldetes Gebiet der Königsstraße, die eigentlich nur ein Fahrweg ist. Schließlich biege ich in Richtung Trauchgauer Höhenweg ab. Den Höhenweg erreiche ich nach einem längeren Anstieg gegen Abend. Wieder einmal bin ich auf der Suche nach einem passenden Übernachtungsplatz. Das erweist sich als schwer, da der Weg auf halber Höhe an einem steilen Berghang entlang führt. In steiler Schräglage liegt es sich schlecht!

Daher zweige ich auf einen kleinen Seitenpfad zum Trauchgauer Mandl in etwa 1020 m Höhe ab, wo am Steilhang ein Kruzifix errichtet wurde. Dort steht eine Bank und der Boden vor der Bank ist ebenfalls eben. Die Fläche neben der Bank bietet gerade so viel Platz, dass ich dort meine Isomatte ausrollen kann. Leider stört eine Wurzel ein gemütliche Nachtruhe. Irgendwie schaffe ich es dann doch noch mich so hinzulegen, dass ich dort schlafen kann. Mein Tarp muss ich nicht aufspannen, da es diese Nacht trocken bleiben soll.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Erster Blick auf Füssen am frühen Morgen vom Trauchgauer Höhenweg

Durch das Ammergauer Gebirge

Nach einer ruhigen Nacht stehe ich schon gegen 4:30 auf, weil ich heute durch die Ammergauer Alpen und über den Tegelberg nach Neuschwanstein laufen will. Ich muss so früh starten, weil es am Spätnachmittag schon wieder gewittern soll. Hinter Halblech biege ich in Richtung Berge ab.

Ein Schild klärt mich auf. Vor Jahren wurde hier ein Mann vom Blitz erschlagen. Also können Gewitter auch im Tal gefährlich sein. Ein Stück weiter wurde zudem im Dreißigjährigen Krieg hier noch ein Bär erschossen. Bären könnten auch heute noch hier leben, so wild und einsam diese "kanadische" Gebirgslandschaft hier aussieht!

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Nicht in Westkanada, sondern im Ammergebirge

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Der markante Geiselstein auch Matterhorn der Ammergauer Alpen genannt

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Aufstieg zum 1619 m hohen Branderfleck

Aufstieg zum 1720 m hohen Tegelberg

Zuerst laufe ich durch das lang gezogene und wunderschöne Lobental. Irgendwann endet der Fahrweg und geht in einen Bergpfad über. Über diesen erklimme ich das 1619 m hoch gelegene Branderfleck. Von da aus wandere ich auf dem schönen Fernwanderweg E4 in Richtung Tegelberg. Immer wieder öffnen sich dabei herrliche Ausblicke auf die zahlreichen Berge um mir und die tief eingeschnittenen Täler der Ammergauer Alpen. Welch eine schöne Gebirgslandschaft!

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Ausblick vom Branderfleck

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Ausblick vom 1720 m hohen Tegelberg

Vom 1720 m hohen Tegelberg, beeindruckt die Aussicht auf das etwa 1000 Höhenmeter unter mir liegende Voralpenland. In der Bergstation kehre ich ein.

Als ich zum Abstieg in Richtung Schloss Neuschwanstein aufbreche, ziehen bereits am Horizont finstere Wolken auf, obwohl es erst gegen 13:30 Uhr ist. Sollten die Gewitter früher hereinbrechen, als sie ursprünglich vorhergesagt wurden?

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Felsentor beim Abstieg vom Tegelberg

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Erster Blick auf Schloss Neuschwanstein

Das Gewitter

Auf alle Fälle sollte ich mich sputen, will ich in keinen Gewitterregen kommen. Denn bereits in Richtung Alpsee ziehen finstere Regenwolken auf und in der Ferne donnert es bereits. Das Gewitter wird mich wohl während es Abstiegs erwischen. Leider gestaltet sich der Abstieg auch technisch als nicht einfach. An zwei Stellen muss ich sogar etwas klettern. Wenigstens kann ich diese beiden Problemstellen gerade noch überwinden, bevor das Gewitter endgültig über mich hereinbricht.

Ein Blitz und kurz danach der ohrenbetäubende Donner zeigen mir wie sehr mir das Gewitter schon auf die Pelle gerückt ist! Beim nächsten Blitz zähle ich die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Gerademal fünf Sekunden lagen zwischen Blitz und Donner, also schlug der letzte Blitz etwa 1,5 km von mir entfernt ein. Auch der Regentropfen prasseln immer heftiger auf mich herab. An einer Stelle setze ich den Rucksack ab und ziehe einen Schutzplane über den Sack, damit nicht alles nass wird. Währenddessen verwandelt sich mein Weg in einen reißenden Bach. Gerade noch rechtzeitig entferne ich meinen Rucksack vom einsetzenden Wasserschwall.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Ein Gewitterfront zieht beim heiklen Abstieg auf

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Der Gewitterregen verwandelt meinen Bergpfad in einen reißenden Bach

Ich schultere wieder meinen Rucksack und versuche weiter zu kommen. Dabei lassen Gewitter und Regen so schnell nach, wie sie gekommen sind. An einem Aussichtspunkt lege ich eine kurze Rast ein, ziehe mein nasses T-Shirt aus und stattdessen ein trockenes langärmeliges Shirt an. So friere ich nicht.

Beim nächsten Aussichtspunkt öffnet sich ein herrlicher Blick auf Neuschwanstein. Oh, sieht das toll aus!

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Herrlicher Blick auf Schloss Neuschwanstein

Je, weiter ich runterkomme, desto mehr Wanderer kommen mir entgegen. Einer, wohl aus Lateinamerika, stöhnt, dass er noch nie so einen anstrengenden und schweren Weg gegangen sei. Ich weise ihn zum nächsten Aussichtspunkt auf Neuschwanstein. Dahinter soll er aber umkehren, weil der Weg dann noch viel schlimmer wird, gebe ich ihn mit auf den Weg.

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Blick auf Schloss Neuschwanstein von der Marienbrücke aus

Endspurt nach Füssen

Auf der Marienblick mit ihrem phänomenalen Blick auf das Märchenschloss ist der Bär los. Dort sammeln sich so viel Menschenmassen, dass man den Steg fast wegen Überfüllung schließen müsste.

Dahinter herrscht dann Trubel wie auf einem Jahrmarkt. Ich ergreife möglichst schnell die Flucht und erreiche etwa 7 km später und nach einem weiteren aber eher harmlosen Gewitterguss mein Endziel in Füssen. Dort verbringe ich noch eine Nacht im Hotel Ludwigs. Der Name passt zu meinem Marsch. Am nächsten Morgen fahre ich bei nun schlechtem Wetter mit dem Zug wieder heim. Mit dem Ende des König Ludwig Marsches endet auch das "Kini-Wetter".

Königsmarsch von Starnberg nach Füssen vom 08.06. - 11.06.2018

Nach etwa 130 km Laufstrecke erreiche ich mein Ziel in Füssen

Fazit

Nach einer Nacht, drei Tagen, etwa 131 km Laufstrecke und etwa 2000 Höhenmetern ziehe ich Bilanz. Das war eine wunderschöne Mehrtageswanderung, die Gewitter hätten nicht sein müssen, brachten aber etwas Spannung und Abenteuer ins Spiel. Zudem war dieser Lauf bzw. Marsch ein gutes Training und Ausrüstungstest für meinen geplanten dritten Deutschlandlauf im Juli und August, wo es u.a. ja auch durch die Ammergauer Alpen gehen soll.

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