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laufspass.com - Gefahren bei Bergläufen vermeiden helfen
von Thomas Schmidtkonz

Zermatt - Marathon 2008

Das Matterhorn beim Zermatt Marathon 2008

Hier dreht es sich um Möglichkeiten wie Bergläufer die Gefahren des Berglaufs möglichst gut meiden können und was Bergläufer und Veranstalter dazu tun können.

Achtung, die Liste ist dabei sicher nicht vollständig. Gerne nehmen wir Anregungen und Verbesserungsvorschläge zur Liste entgegen!

Graubünden Marathon 2003 in über 2500 m Höhe

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Einführung

Am 13.7.08  starben beim Zugspitz Extremlauf leider zwei Läufer an Unterkühlung und Erschöpfung. "Sie starben nach einem Wettersturz bei dem Rennen am Sonntag knapp unter dem Gipfel der 2962 Meter hohen Zugspitze. Sechs weitere Läufer mussten mit schweren Unterkühlungen und völlig erschöpft auf die Intensivstation im Klinikum Garmisch-Partenkirchen geflogen werden."

Artikel der SZ zum dramatischen Ereignis

Nur kurze Zeit später hatte zumindest die Presse in Bayern in der langsam angehenden Sauren Gurkenzeit ein neues Thema entdeckt. Neben Zeugen, die das Drama miterleben mussten, durften auch viele "Experten" zu Wort kommen, die noch nie selbst einen Berglauf gemacht haben. Oft entsprechend "qualifiziert" fielen dann deren Kommentare und Vorschläge aus. Darunter z.B. auch der Vorschlag eines weltbekannten Bergsteigers, solche Bergläufe prinzipiell zu verbieten. Er sprach auch von einem "Missbrauch des Berges". Ein Kommentator des BR ging mit seiner "Vergewaltigung" der Berge durch solche "Massenveranstaltungen" noch einen Schritt weiter, als gäbe es z.B. keinen Massen-Wintersport.

Der zurück liegende Vorfall war ein großes Drama und ist auch gerade für die Angehörigen - worunter leider auch Kinder betroffen sind - unheimlich schlimm. Aber leider wird es in den Bergen so wie auch im Flachland immer wieder solche Unfälle geben. Oft spielt dabei auch menschliches Versagen eine Rolle. Aber wer Bergläufe deswegen prinzipiell verdammt, hat nicht recht. Ich will in diesem Artikel daher auch keine Urteile oder gar Verdammung und "Exkommunikation" aussprechen. Lieber möchte ich Denkanstöße auf mehr oder weniger gerechtfertigte, in den Medien geäußerte Kommentare und Aussagen Personen  geben.
Wichtiger als dies sind aber Verbesserungsvorschläge für Veranstalter und den Bergläufer. Auch dazu findet ihr hier meine persönliche Meinung.
Über Eure Meinung und Beiträge freue ich mich ebenfalls und veröffentliche sie auch gerne bzw. verweise gerne auf sie über einen Internetlink.

Euer Thomas Schmidtkonz,
selbst Berglauffan, der unseren schönen Sport nicht schlecht machen lassen möchte!

Inhalt

Was können Bergläufer gegen solche Gefahren machen? Was können Veranstalter u.a. gegen solche Gefahren machen? Anmerkungen zu Vorschlägen und Aussagen von Personen in diversen Medien zum Vorfall an der Zugspitze Stimmen / Leserbriefe zum Thema
Links      

Was können Bergläufer u.a. gegen solche Gefahren machen?

Leider unterschätzen immer wieder viele Bergläufer die Gefahren des Hochgebirges und laufen auch bei schlechten Wetterbedingungen mit "Leibchen" (Trägershirts) und Shorts los. Oft kommt es sogar vor, dass sie nicht einmal warme Bekleidung ins Ziel transportieren lassen. Ich erlebte so was selbst, als beim Graubünden Marathon 2005 innerhalb von wenigen Minuten wegen eines Gewitters die Temperatur von 20 Grad auf 0 Grad absackte.
Wind, Sturm, Kälte, Nässe, Wolkenbrüche, Blitz, Schnee, Eis, abrupte Wetterwechsel und aber auch Sonne und Hitze können noch mehr als bei Stadtläufen in den Bergen schnell ein Problem werden.
Dazu gibt es bei einigen Bergläufen technisch anspruchsvolle Wege bis zum Klettersteig hin, wo ein Fehltritt der letzte sein kann. Bei solchen Extrembergläufen kann es außerdem der Höhe ausgesetzte Wege geben, wo man wirklich schwindelfrei sein sollte. Wo für den Einzelnen die Grenze ist, wo man noch mitmacht oder nicht, das muss jeder selbst entscheiden.

Folgende Regeln sollten daher Bergläufer u.a. bei "normalen" Bergläufen beachten:

  • Warm genug anziehen und auch bei Hitze im Tal Windjacke und am besten noch eine Überlebens- / Wärmefolie mitnehmen.
  • Immer genug warme Kleidung ins Ziel transportieren lassen
  • Wetterberichte kurz vor der Veranstaltung genau studieren. Gut ist z.B. www.wetteronline.de
    Bei extremer Wetterlage lieber mal nicht teilnehmen, auch wenn der Veranstalter das Rennen nicht absagt
  • Speziell Gewitterneigung und ganz besonders anrückende Kaltfronten beachten
  • Bedenken, dass jeder Berg sein eigenes Miniatur - Klima hat. So kann es überall schön sein. Aber am zu bezwingenden Berg kann selbst bei allgemein guter Wetterlage plötzlich ein Gewitter losbrechen.
  • Kopfschutz - hilft bei Sonne und auch gegen Kälte. 40 % der Körperwärme entweichen über den Kopf
  • Energy - Gel o.ä. gegen Unterzucker und Hungerast mitnehmen
  • Trinkfläschchen gegen den Durst zwischen den Verpflegungspunkten
  • Sich genau über die Strecke vorher informieren. Dazu Höhenprofil studieren. Wie sind die Wege beschaffen? Asphaltiert, Fahrweg, Wanderweg, Bergpfad oder Steig?
  • Andere schon dort gelaufene Läufer zur Strecke befragen, wenn man sie noch nicht kennt oder zumindest Laufberichte darüber lesen.
  • Am besten die Schlüsselstellen unbekannter Strecken im Vorfeld schon mal ablaufen oder besichtigen
  • Beim Start im Tal bedenken, dass in der Regel die Temperatur alle 100 - 150 Höhenmeter um 1 Grad kälter wird
  • Sich nicht vom guten Wetter bei guten Bedingungen täuschen lassen und beim nächsten Mal unvorsichtiger werden
  • Genug trainieren. Dazu gehören auch Trainingsläufe im alpinen Gelände
  • Bei Läufen in große Höhe sich am besten ein paar Tage vorher schon in der Höhe akklimatisieren. Viele Läufer fahren von weit her kurzfristig und gestresst an.
  • Sich von erfahrenen Bergläufern wg. Training und Strecke beraten lassen. Viele geben gerne Auskunft.
  • Asthmatiker usw. sollten ihre wichtigsten Medikamente mitnehmen. Bei Bergläufen durchstreift man viele Höhenzonen mit allerlei Blütenphasen. Ein Frühlingsallergiker kann plötzlich mitten im Sommer Probleme kriegen, weil das blüht, was daheim schon längst verblüht ist.
  • Kräfte richtig einteilen
  • Ganz besonders wichtig: Eigenes Mitdenken nicht ausschalten!

Folgende Zusatzregeln sollten Bergläufer bei besonders schweren und auch Extrembergläufen im alpinen Gelände, speziell auch im Ultrabereich beachten, wo die Strecke technisch anspruchsvoll ist und wenig Streckenposten vorhanden sind:

  • Bei solchen Läufen nur mitmachen, wenn man bereits sehr gute Berglauferfahrung (im alpinen Hochgebirge!) gesammelt hat. Sich Schritt für Schritt an schwerere Veranstaltungen herantasten!
  • Evt. Handy,  Trillerpfeife und / oder Metallspiegel zum Hilferufen mitnehmen
  • Feuerzeug
  • Bei der Kleidung knallige Farben wählen. Man wird besser gesehen, wenn man verunglückt
  • Handschuhe für Drahtseile bei Klettersteigen mitnehmen!
  • Mütze mitnehmen - 40 % der Körperwärme entweichen über den Kopf
  • Gut ist eine Uhr mit Kompass, Barometer und Höhenmesser
  • Ebenfalls gut: GPS-Gerät mit passender Karte. So weiß man immer wo man in etwa ist. Kostenlose gute Karten mit Wanderwege, fast europaweit,  im IMG-Format gibt es unter: http://www.wanderreitkarte.de/
  • Überlebens- / Wärmefolie
  • Erste Hilfeset mitnehmen - gilt speziell für Berg-Ultras
  • Elastische Binde falls man sich z.B. Knöchel verstaucht
  • Am besten alles notwendige in Laufrucksack verstauen
  • Gute Wanderkarte zur Strecke mitnehmen, wenn Verdacht besteht, dass Markierung durch Veranstalter mangelhaft ist. Auf alle Fälle Strecke schon vorher auf guter Karte studieren und z.B. auch die 3D -Satellitenbilder von google earth dazu nutzen.
  • Evt. Strecke schon vorher selbst erkunden
  • Sich bei früheren Teilnehmern informieren
  • Notration: Genug Wasser und Essen mitnehmen - gilt ganz besonders für die langen Distanzen mit wenig Verpflegungsstellen

Beim Transalpin - Run verlangt der Veranstalter z.B. folgendes:

  • Regenbekleidung bzw. Überbekleidung als Regenschutz (mind. wasserdichte Regenjacke).
  • Warme Kleidung als isolierende Zwischenschicht unter der Überbekleidung (für schlechte Witterung, die
    im Hochgebirge überraschend einsetzen kann)
  • Handschuhe und Mütze.
  • Notfallausrüstung (Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke).
  • Ein Rucksack (z.B. Daypack) oder Hipbag pro Team.

Was können Veranstalter u.a. gegen solche Gefahren machen?

  • Ausrüstung: Sie sollten bei Läufen, die über 1500 Meter hinausgehen oder bei labiler Wetterlage wenigstens von jedem Läufer verlangen eine langärmelige Windjacke oder ein langärmeliges Funktionsshirt und evt. eine Überlebens- / Wärmefolie mitzunehmen. Das ist zwar nicht viel, kann aber schon gegen schlimmste Auskühlungen helfen. Wenn das von jedem verlangt wird, startet auch jeder mit gleichen Bedingungen. Vorbildlich sind z.B. die Bedingungen beim Transalpin - Run.
  • Strecken gut markieren
  • Genügend Streckenposten postieren
  • Genügend Decken u.ä. bereithalten
  • Wenn möglich Ausweichstrecke für schlechte Wetterbedingungen vorsehen. Andernfalls im Zweifelsfall Ziel runterlegen oder Rennen ganz absagen.
  • Eine halbe Stunde vor dem Start sollte der Rennchef ein obligatorisches Renn-Meeting veranstalten, wo jeder antreten muss. Da sollte der Veranstalter noch einmal alle wichtigen Infos zu Rennstrecke, Wetter, Bekleidung usw. geben. Schriftliches reicht nicht aus. Das liest keiner und landet meist sofort im Papierkorb
  • Im Starterfeld gleich Läufer rausziehen / disqualifizieren - gerade bei Bedingungen wie am 13.7.08, wenn sie nur Träger T-Shirts o.ä. tragen und sonst nichts dabei haben. Schon die Androhung wirkt oft Wunder!
  • An Schlüsselstellen auf der Strecke einen Rennarzt postieren, der unvernünftige Kameraden ebenfalls rauszieht. Dies kennt man ja z.B. vom Swiss Alpine K78. Schon diese Drohung wirkt mehr als alle Hinweise auf evt. Gefahren. Für solche Oberspezialisten ist es oft schlimmer aus den Rennen genommen zu werden, als die Drohung beim Lauf "umzukommen".
  • Bei langen Bergläufen, speziell bei Bergultras,  sollte der Veranstalter, wie z.B. beim Swiss Alpine K 78 in Bergün, es möglich machen, dort zusätzliche Bekleidung deponieren zu lassen. Diese können dann bei Bedarf z.B. vor einem Anstieg in hochalpine Regionen aufgenommen werden.
  • Gute Streckenpläne im Internet veröffentlichen, damit Interessenten die Strecke schon im Vorfeld selbst ablaufen und genau studieren können.
  • Streckenpläne als GPS-Track zum Download mit anbieten

Anmerkungen zu Vorschlägen und Aussagen von Personen in diversen Medien zum Vorfall an der Zugspitze

Leider beginnen nun selbst erklärte Experten damit, Bergläufe, Berglauf - Veranstalter und Bergläufer prinzipiell zu verdammen. Darunter ein berühmter Bergsteiger, der ein prinzipielles Verbot solcher Läufe fordert.
Dazu kann ich nur sagen: Leider sind ja gerade auch bei Bergsteigern übertriebener Ehrgeiz und unverantwortlicher Mut zum Risiko kein Fremdwort. Auch hier kommen tragische Todesfälle gerade wegen Wetterstürze vor. Alleine in der In der Katastrophensaison 1996, ließen über 200 Menschen  beim Versuch der Besteigung des Mt. Everest ihr Leben. Das sind wahrscheinlich ein vielfaches an Personen als jemals bei allen Bergläufen bisher verunglückten. Keiner käme aber auf die Idee Bergsteigen prinzipiell zu verdammen oder gar die Besteigung von 8000ern im Himalaya prinzipiell zu verbieten. Bergläufer, Bergwanderer und Bergsteiger haben eines gemeinsam: Die Liebe zu den Bergen.

Aktuell zum Thema Bergsteigerdramen: "Erneute Rettungsversuche am Nanga Parbat"

Andere behaupten z.B. bei Flachland - Marathons gäbe es weniger Probleme mit dem Wetter und dem übertriebenen Ehrgeiz von Läufern und dass Bergmarathons mit flachen Stadtmarathons nicht vergleichbar wären.
Beides ist nicht richtig, wie etliche Fälle beweisen. Ich muss da nur an meinen Hitzemarathon 2000 in Regensburg denken. Dort musste das BRK mehrere Hundert Einsätze leisten, weil zahlreiche Läufer vor dem Kollaps standen. Auch ich hatte stark zu kämpfen.
Im April 2007 beim Rotterdam Marathon kollabierten 14 Läufer und 19 Zuschauer (!) wegen der für April ungewöhnlichen "Hitze" von 25 Grad. Die Veranstalter mussten den Marathon deswegen sogar abbrechen.
Im Oktober 2007 verlief "der Hitze-Marathon von Chicago für einen 35-Jährigen tödlich und für 350 Läufer endete er im Krankenhaus. Die Organisatoren traten endlich auf die Bremse und brachen das Chaos-Rennen ab."
Wer außerdem mal einen großen Stadtmarathon und dann einen Bergmarathon gelaufen ist, wird spätestens ab KM 30 feststellen, wie viele Läufer beim Stadtmarathon da Probleme bekommen. Manchmal geht das an die Grenze der Selbstverstümmelung. Auf der anderen Seite haben im Vergleich dazu wenige Läufer beim Bergmarathon Probleme. Das liegt daran, dass sich in der Regel nur gut trainierte und erfahrene Läufer an einen Bergmarathon wagen, während bei Stadtmarathons auch viele antreten, die von ihrem Trainingsstand her das nicht tun sollten.

Es wurden auch weitere Behauptungen aufgestellt wie etwa:

"Bergläufer haben vom Alpinismus keine Ahnung"

Dies ist eine Verallgemeinerung, die sicher nicht für alle Läufer stimmt! Ich kenne z.B. auch Berglaufkollegen, die auch gute Alpinisten sind. Einige haben nicht nur 4000 er in den Alpen bestiegen, sondern auch hohe Gipfel in den Anden und im Himalaya. Manche wie Senioren Berglaufweltmeister Helmut Reitmeir rennen sogar Andengipfel im Alleingang hoch.

"Ist es Aufgabe der Bergwacht bei so einer Veranstaltung am Streckenrand zu stehen? Ich denke nicht ... "

Ich denke die Bergwacht kriegt ja auch Geld vom Veranstalter dafür oder? Damit finanzieren sie sicher auch teilweise ihre andere Arbeit. So profitieren auch gerade Bergwanderer und Bergsteiger davon, die in Not kommen, ob verschuldet oder nicht!

Meine Frau Gaby ist z.B. freiwillig beim BRK tätig. Sie sind über die Einnahmen für ihre Dienste bei Laufveranstaltungen wie z.B. beim Fränkischen Schweiz Marathon sehr froh. Dadurch finanziert diese BRK Ortgruppe in Forchheim andere Einsätze, wo sie gar nichts dafür bekommen. Wären solche Veranstaltungen nicht, müssten sie ihre anderen Tätigkeiten zum Schaden der Allgemeinheit einstellen! 

"Bergläufe sind mit Triathlons und Marathons nicht zu vergleichen. Da kann man das Wetter einzuschätzen"

Im April 2007 beim Rotterdam Marathon kollabierten 14 Läufer und 19 Zuschauer (!) wegen der für April ungewöhnlichen "Hitze" von 25 Grad. Die Veranstalter mussten den Marathon deswegen sogar abbrechen.
Im Oktober 2007 verlief "der Hitze-Marathon von Chicago für einen 35-Jährigen tödlich und für 350 Läufer endete er im Krankenhaus. Die Organisatoren traten endlich auf die Bremse und brachen das Chaos-Rennen ab."
Dass man z.B. den Mannheim Marathon 2006 kurz vor dem Start wegen eines Gewittersturms ganz abbrechen musste, auf das will ich gar nicht eingehen und wie viele Läufer dann dem Veranstalter für die vernünftige Entscheidung Ärger machten.
 
Wer jetzt Marathons verteufelt, soll an die extrem flache Strecke beim Bad Füssing Marathon 2005 denken. Die Marathonläufer kamen alle heil durch, aber ein 10 Kilometerläufer starb in den Händen eines BRK - Manns auf der Ziellinie.  

"Gehören 600 Läufer auf einmal auf einen Berg? Das ist eine gnadenlose Kommerzialisierung der Berge!"

Dazu brauche ich nicht viel sagen. Man muss sich nur mal vor Augen führen wieviel Leute tagtäglich alleine mit der Bahn zur Zugspitze hochkommen, dem nicht nur höchsten, sondern leider auch am schlimmsten verbauten Berg Deutschlands.

Vom Wintermassensport wollen wir gar nicht reden. Wer im Sommer mal bei Ski-Gebieten hoch gejoggt ist, kann ein Lied davon singen, wie da die Bergwelt zerstört wird.

Zum Thema Kommerzialisierung der Bergwelt: Bauboom in Zermatt im Juli 2008 - Im Sommer wird gebaut und im Winter kassiert

Zermatt - Marathon 2008

Ein Läufer beim Zermatt - Marathon im Juli 2008: Wen stört das?

"Der Berg wird durch solche Läufe missbraucht"

Dies sagte in etwa der Bergsteiger, der alle Achttausender bestieg. Dazu folgender Auszug aus WIKIPEDIA zum Mt. Everest und sein Basislager:

"In der Katastrophensaison 1996, ließen über 200 Menschen  beim Versuch der Besteigung des Mt. Everest ihr Leben ...
Ein weiteres Problem dieser Art von „Tourismus“ ist, dass die Umweltverschmutzung der Lager durch Müll (Zelte, Sauerstoffflaschen, Speisereste, Dosen und Medikamente) rapide zugenommen hat. Der Südsattel wurde schon als „höchste Müllkippe der Erde“ tituliert ..."

Messner ist zwar bekanntermaßen und auch zurecht kein Freund des Himalaya - Massenbergtourismus, aber vielleicht sollte er wieder mehr in diese Richtung wettern als uns harmlose Bergläufer und unseren wunderschönen und faszinierenden Sport, wozu auch Berglaufveranstaltungen nun einmal gehören, so pauschal und undifferenziert zu verurteilen ...

Stimmen und Leserbriefe zum Thema

Teilnehmer verlassen sich oft nur auf die gute Organisation und Infrastruktur  (17.09.2008)

Hallo Thomas!

Vorerst einmal Danke für deine tolle und hochinformative Berglauf- bzw. Bergmarathon Website - diese hat mir schon viele wertvolle Infos und Tipps gegeben. Habe selbst bereits bei etlichen Bergläufen in Österreich, Italien und Schweiz (Jungfrau, Swiss Alpine, Drei Zinnen Lauf, Großglocknerlauf, ...) teilgenommen und habe auch alpine Erfahrung im Bergsteigen bzw. Klettern.

Ich denke, dass deine Beiträge "Was können Bergläufer/Veranstalter u.a. gegen solche Gefahren machen?" einen umfassenden Überblick zur Vermeidung von Tragödien (wie heuer leider zugetroffen) geben. Die Punkte in deinen Beiträgen sollten eigentlich Pflichtlektüre für Bergläufer und Veranstalter sein! Verantwortung tragen sowohl der Bergläufer als auch der Veranstalter, wobei der Bergläufer (so denke ich) das unvermeidliche Restrisiko selbst beeinflussen kann und im eigenen Interesse auch soll. Auf die gute Organisation durch die Veranstalter kann ich zwar hoffen (ist in der überwiegenden Mehrheit aus meinen persönlichen Erfahrungen auch gegeben), habe aber als teilnehmender Läufer selbst wenig Einfluss darauf.

Bei meiner Teilnahme am Jungfrau Marathon vor wenigen Tagen konnte ich leider beobachten, dass sich geschätzte zwei Drittel (persönliche stichprobenartige Befragung von ca. 100 Teilnehmern den Start) der Teilnehmer auf die gute Organisation und Infrastruktur verlassen, außer kurzen Shorts und (ärmellosen) Shirts keine Zusatzbekleidung wie Wind- oder Nässeschutz bzw. Mütze oder Handschuhe für den Notfall bei sich hatten. Dabei war am Tag der Veranstaltung am Vormittag noch eine föhnige Südströmung vorhergesagt und am Nachmittag Regen mit anschließendem Kaltfrontdurchzug. Dass das Rennen noch fast trocken und relativ warm (bis auf gelegentlich leichtes Nieseln, Nebel und mäßiger Wind in den Höhenlagen) zu Ende gebracht werden konnte (wie übrigens laut Wetterprognose MeteoSchweiz exakt beschrieben) ist Glück für Läufer und Veranstalter. Hätte sich der Regen, Wind und Abkühlung um nur ein paar Stunden früher eingestellt, wären viele Teilnehmer nicht darauf vorbereitet gewesen.

Ich habe die persönliche Erkenntnis gewonnen, dass sich die Mehrheit der teilnehmenden Läufer in der Trainingsvorbereitung eine gute körperliche Fitness für einen solche Laufveranstaltung aneignen und sich etliche Leistungsreserven für das Rennen einplanen, jedoch bei den sonstigen notwendigen Umfeldfaktoren für ein erfolgreiches Gelingen (Kleidung, Verpflegung, ...) keine Reserven zugestehen.

Mit läuferischen Grüßen aus Lienz (Österreich) Günther Ebner

E-Mail

Traurige Ereignisse an der Zugspitze (29.07.2008)

Servus Thomas, als Genuss-Natur- und Bergläufer ist uns das alles sehr nahe gegangen, wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, sind in Familie und Freundeskreis immer wieder darauf angesprochen worden, teilweise auf sehr provokative und ablehnende Art. Es ist sehr traurig, was da abgelaufen ist, vor allem die Familien der beiden Verstorbenen haben unser tiefstes Mitgefühl. Jeder hat wohl irgendwie seinen Anteil an den Vorgängen und niemand hat ein Recht, zu urteilen. Die Richter werden sicherlich/hoffentlich sachlich die Fakten sortieren und vielleicht kann so ein Präzedenzfall auch dazu mithelfen, solche Dinge in Zukunft unwahrscheinlicher zu machen (ganz vermeiden wird man sie nie können - wie auch traurige Unfälle im Hochgebirge, in dem wir uns als Bergsteiger seit vielen Jahren leidenschaftlich gerne aufhalten).
Beeindruckt hat uns, wie bei Schweizer Läufen mit diesen Sicherheitsfragen umgegangen wird (auch beim Bergsteigen kann man sich ja bei unseren Nachbarn einiges abschauen). Schade, dass R. Messner sich mit seinen Äußerungen derart disqualifiziert hat, an seiner bergsteigerischen Kompetenz zweifelt ja kaum jemand...
Wir finden Deine Gedanken und Empfehlungen zum Berglaufen und Extremberglaufen sehr informativ und können uns absolut damit identifizieren. 
Ganz herzliche Grüße von Michael & Brigitte

E-Mail

Tragödie auf der Zugspitze (26.07.2008)

Ich bin dünnhäutig geworden. Zumindest was Bergläufe betrifft. Obwohl ich bei dieser Sportart immer wieder ganz klar meine eigenen Grenzen aufgezeigt bekomme, fühle ich mich in diesen Gefilden besonders wohl.

Seit Sonntag hat aber auch für mich die "heile" Welt des Berglaufes böse Schrammen abbekommen. Hatte ich bei meinem Lauf im vergangenen Jahr großes Glück nicht auf den letzten Kilometern von extremen Wetterkapriolen überrascht zu werden, denn die Gegebenheiten waren ziemlich ähnlich. Trotzdem waren es gespenstigste Momente, wenn der Vordermann nur wenige Schritte entfernt und doch unerreichbar ist, der lahmende Mitläufer achtlos überholt wird und man klitschnass und völlig ausgekühlt nur noch seine eigene Haut retten will. Der Lauf ist kein Abenteuer, der Lauf ist eine Herausforderung an die eigene Leistungsfähigkeit. Kein Läufer wird bei gutem oder schlechtem Wetter das Ziel erreichen, der sich nicht intensiv geistig und körperlich richtig vorbereitet hat. Warnungen und Hinweise zum professionellen Verhalten gibt es im Vorfeld zur Genüge. So irritiert und ärgert es mich gewaltig, dass nach der Katastrophe auf der Zugspitze sich nahezu Jedermann berufen fühlt, seinen "Senf" dazu abzugeben.

Ehemalige Marathonläufer, die oft Bergläufe nur aus Erzählungen kennen, ziehen paradoxe Vergleiche mit Citymarathons. Der Bayerische Rundfunk vergleicht die Bergläufer mit einer berauschten Masse die unfähig ist Gefahren zu erkennen und Fokus-Online titelt „Ärmellos auf die Zugspitze- und hirnlos! “ Foren die nichts, aber auch gar nichts mit dem Berglauf zu tun haben beschimpfen eine ganze Sportlergattung im Kollektiv als Deppen, Narren und psychisch Kranke. Bergsteiger Legende Reinhold Messner setzt sogar noch einen drauf. Für ihn waren die Bergläufer Lemminge die in eine Dummheit gelaufen sind. Ein Berg sei "keine Attrappe oder eine Kletterwand in der Turnhalle", so Messner zu stern.de. "Der Berg ist zu etwas missbraucht worden, wozu er nicht geschaffen ist."

Keiner dieser "Fachleute" hat sich in seiner Pietätlosigkeit wahrscheinlich mit der Läuferbiografie der beiden Verunglückten ernsthaft beschäftigt. Denn beide galten nach Kollegenaussagen als besonnen, sportlich und waren am Renntag topfit. Keine blutrünstigen Heißsporne oder Sonntagsjogger die so gut ins Klischee der Schnellredner gepasst hätten.

Absage, Abbruch oder Streckenverkürzung sind Fragen die ich als Außenstehender fairer weise nicht beurteilen kann und will. Im Nachhinein hätte es wahrscheinlich jeder anders gemacht. Der moralischen Verantwortung wird sich der Veranstalter nicht entziehen können.

In Trauer um die beiden toten Laufkollegen schließe ich für mich dieses Thema. Ob ich die Zugspitze auf diesem Wege noch einmal erreichen werde, kann ich heute noch nicht beantworten.

Viele Grüße und guten Lauf  Hans Pertsch

E-Mail - www.runner66.de 

Ich war beim Zugspitzlauf dabei - in GoreTex Jacke und mit Kopfbedeckung (23.07.2008)

Hallo Thomas, Dein Artikel zu den Gefahren des Berglaufens spricht mir aus der Seele. Ich war beim Zugspitzlauf dabei (in GoreTex Jacke und mit Kopfbedeckung) und kann mich seitdem bei allen möglichen Leuten rechtfertigen. Künftig werde ich einfach einen Link auf Deinen Artikel veröffentlichen!

Gruß, Jens

Ist denn kein Läufer mehr in der Lage, seine sauteure Ausrüstung an Klamotten SINNVOLL einzusetzen? (23.07.2008)

Hallo! Vor ca. 4 Wochen war ich mit einem Freund auf dem sog. Rheinsteig zwischen Rüdesheim und Assmannshausen am Rhein wandern. Es war ca. 20 Grad warm, vereinzelte Schauer, windig. Wir hatten kurze Hosen und ein Funktionsshirt an. Im Rucksack war eine Regenjacke. Bei einem kurzen Schauer kamen uns Wanderer in einer solchen Ausrüstung entgegen, dass wir kurz dachten, wir wären am Basislager des Mount Everest. Wir wurden leicht nass, weil es regnete und nicht weil die Funktionskleidung bei einer solchen Temperatur total überfordert ist.
Jetzt habe ich die Bilder gesehen, wie ein Teilnehmerfeld bei 13 Grad und Regen sich aufmacht, um 2.000 Höhenmeter zu überwinden, um auf knapp 3.000m zu gelangen. Gern angezogen: kurze Hose und eine ärmelloses Funktionsshirt. Das war's. Ist denn kein Läufer mehr in der Lage, seine sauteure Ausrüstung an Klamotten SINNVOLL einzusetzen?
Haben die im Teilnehmerfeld denn gedacht, dass es in der Höhe wärmer wird? Wenn ich in die Berge gehen, bin ich in der Verantwortung, mich auch um das Thema Wetter zu kümmern. Veranstaltung hin oder her.
Beim Frankfurt-Marathon Ende Oktober kann es auch 6 Grad kalt, regnerisch und verdammt windig sein. Da weist der Veranstalter auch nicht auf das Wetter hin.
Vor ein paar Jahren bin ich ebenfalls beim Zugspitzlauf gestartet. Aufgrund akuter Lawinengefahr wurde das Ziel auf die Alpspitze verlegt. Die letzten Kilometer hat es ordentlich geschneit. So weit mir bekannt ist, kam in jenem Jahr kein Läufer zu Schaden. Heute ist aber scheinbar jeder, der schon einmal auf dem Laufband stand, der Meinung, er müsste einen Marathon, einen Extremberglauf oder am besten an einem Ironman teilnehmen. Die Folgen sehen wir leider jetzt.

Mit sportlichen Grüßen

Thomas Heier TV 1883 Bischofsheim

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